Haus S

Der Wunsch der Bauherren nach einem kompakten, formal reduzierten, nachhaltigen und technisch innovativen Haus wurde als grundlegender Entwurfsgedanke aufgegriffen und um weitere Parameter wie Flexibilität und Multifunktionalität ergänzt.
Der klassische Typ des Wohnhauses mit einem Satteldach sollte auf moderne Weise umgesetzt werden.
Entstanden ist ein klarer Baukörper ohne Dachüberstand einer dezenten Farbgestaltung und mit klar gerichteten Fensteröffnungen welche die Raumwirkung unterstützen. Um eine Nutzung des Hauses bis ins hohe Alter gewährleisten zu können, wurden bereits bei der Planung unterschiedliche Nutzungsszenarien berücksichtigt und dadurch sichergestellt, dass sich das Gebäude den sich verändernden Erfordernissen anpassen kann. Das Erdgeschoss kann mit wenigen Eingriffen autark genutzt werden, um den Weg ins Obergeschoss zu vermeiden.

Das Erdgeschoss umfasst einen großzügigen, offenen Eingangs-, Koch-, Ess- und Wohnbereich. Die Raumgrenzen zwischen den einzelnen Bereichen verschmelzen und ermöglichen eine Mehrfachnutzung der Fläche. Die Erschließungsflächen sind Teil der Nutzfläche. Durch diese Grundrisseinteilung konnten Bauvolumen, Material und Kosten reduziert werden.
Bewegt man sich durch das Haus, wird es schrittweise immer privater. Während im Erdgeschoss die kommunikativen Wohnbereiche angeordnet sind, befinden sich im Obergeschoss Rückzugsräume, Arbeits-, Gäste- und Schlafzimmer. Letztgenanntes besitzt ein Bad mit angeschlossener Sauna.
Weitere Räume im Obergeschoss, welche als Arbeits- und Musikzimmer dienen, sind eher kompakt gehalten. Sie bestechen dafür mit ihrer großzügigen Raumhöhe bis in den Giebel. Oberhalb der beiden Räume befinden sich zwei über Leitern erreichbare Raumreseven, die multifunktional als Schlafkojen für Gäste oder Spiel- und Lagerfläche verwendet werden können.

Die Verbindung der beiden Wohngeschosse erfolgt über das offene Treppenhaus mit einer einläufigen Treppe und geringer Steigung, die dadurch eine bequeme Nutzung erlaubt. Der großzügige Treppenraum, sowie der offene Eingang und weitere Details, beispielsweise die freistehenden Antrittsstufen, erzeugen ein einladendes Entree und lassen Sichtbezüge zwischen den Geschossen zu.

Die Bodenplatte aus Beton bildet die konstruktive Grundlage für die rasche Montage der Wände und Decken aus vorgefertigten Holzständerwänden. Die Bauzeit und die Baukosten konnten durch den Verzicht auf einen Keller deutlich reduziert werden. Die Montage der gesamten Gebäudehülle erfolgte innerhalb von drei Wochen.
Um die ambitionierten Ziele der Bauherren in Bezug auf nachhaltiges und klimapositives Bauen zu erreichen, gehört zu dem Entwurfskonzept nicht nur der Einsatz der Holzständerbauweise, sondern auch die Verwendung von Holzfaserdämmung und die Zusammenarbeit mit regionalen Firmen, um Anfahrts- und Transportwege zu optimieren.
Eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung, eine Photovoltaikanlage mit Stromspeicher, sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung reduzieren den Energiebedarf auf ein Minimum. Die gesamte Gebäudetechnik befindet sich innerhalb der Gebäudehülle und wurde unauffällig in den Erdgeschossgrundriss im Bereich unterhalb der Treppe integriert. Der Neubau erreicht einen KFW 40+ Standard.

Innenausbau:
Durch einen weißen Silikatputz im Inneren erhalten die Räume ein angenehmes Raumklima und durch die warmen Farbnuancen entsteht im Zusammenspiel mit dem Eichendielenboden ein einladendes und gemütliches Ambiente im gesamten Haus. Dabei wiederholt sich das Material Holz immer wieder auf unterschiedliche Weise im Gebäude. Dies zeigt sich vor allem bei den Blockstufen der Treppe und bei der vom Schreiner maßgenau eingepassten Fenstersitzbank in der Küche.
Ein besonderes Anliegen der Bauherrenschaft war Erbstücke in das neue Haus zu integrieren und zu neuer Geltung kommen zu lassen. Eine alte Werkbank findet eine neue Nutzung als Sockel für die Waschbecken im Badezimmer.

Gartenplanung:
Bei der Gestaltung des Gartens wurden die Räume und ihre Nutzung im Erdgeschoss in den Außenraum weitergedacht. Aus dem Innenraum bieten sich verschiedene Sichtachsen in den Natur- und Nutzgarten. Mehrere Terrassen, welche im Verlauf des Tages verschiedene Plätze in der Sonne bzw. im Schatten bieten, lassen abwechslungsreiche Atmosphären zu.

 

STANDORT

  • Ostalbkreis

LEISTUNGSPHASE

  • 1-8

AUFTRAGGEBER

  • privat

TYP

  • Neubau, Einfamilienhaus
  • Holzständerkostruktion vorfabriziert

STATUS

  • abgeschlossen

PROJEKTZEIT

  • 2019-2021

KONZEPT PLANUNG AUSFÜHRUNG

  • Lorenz Richardt Architekten PartGmbB
  • in Zusammenarbeit mit M.Sc. Svenja Sauer