Eisenbahnüberführung Karlsruhe-Weiherfeld
Wettbewerb 1. Preis - Realisierung
Atmosphärenwechsel – der Stadteingang als Gesamtkonzept
Die Bahntrasse stellt eine starke städtebauliche Zäsur im Karlsruher Süden dar und die bestehenden Verbindungen zeichnen sich durch einen unterschiedlichen urbanen Kontext auf den jeweiligen Eingangsseiten aus. Betrachtet man die Situation im Umfeld der Weiherfeldbrücke, so trifft dort ein durch Landschaft und Infrastruktur geprägter Raum entlang der Alb auf die städtische Bebauung in Beiertheim und das „Stephanienbad“, einen Weinbrenner-Bau aus dem Jahr 1811. Zahlreiche lokale wie regionale Fuß- und Radwege queren und bündeln sich an der Weiherfeldstraße und machen die Unterführung zu einer wichtigen Verbindung in Alltag und Freizeit. Prägend ist die Alb, die dem Ort eine besondere Identität verleiht, obwohl sie an dieser Stelle circa zwei Meter unter dem Fahrbahnniveau liegt und somit praktisch unsichtbar ist.
Kontinuität unter der Brücke – die Alb als Identitätsträger
Der Entwurf der Planungsbüros Agence Ter und Lorenz Richardt Architekten schafft ein stimmiges Gesamtkonzept, das Brücke, Fluss und Umfeld als Eingang nach Karlsruhe und die Alb als zentrales Gestaltungselement inszeniert und damit die Besonderheit des Ortes hervorhebt.
Die Qualität des Verborgenen bildet den Ausgangspunkt der Gestaltung: Die aus der Bewegung des Wassers entstehenden Lichtspiegelungen werden interpretiert und mit Edelstahlpaneelen auf der Seitenwand der schmucklosen Betonbrücke in eine visuelle, räumliche Erfahrung übersetzt. Sowohl die Natur und das Wasser als auch das nüchterne Ingenieursbauwerk werden auf poetische Weise miteinander verbunden.
Die spiegelnden Oberflächen der Edelstahlplatten nehmen das Licht, die Bewegung von Passant*innen, Fahrrädern und Fahrzeugen sowie die Farbigkeit des umliegenden Grün- und Stadtraums auf. Der Außenraum wird optisch in die Unterführung hineingezogen und zugleich vervielfältigt. Dadurch entsteht ein Spiel aus Realität, Reflexion und Überlagerungen, das die Unterführung optisch erweitert und gleichzeitig neu interpretiert. Die unterschiedlich großen, spiegelnden Platten sind in einer freien, an die „Petersburger Hängung“ erinnernden Anordnung positioniert: Leicht versetzt und bewusst nicht linear gefügt, erzeugen sie eine vielschichtige, fast malerische Oberflächenstruktur, die an Spiegelung von Licht auf einer Wasseroberfläche erinnert und die die nüchterne Ingenieursarchitektur in eine lebendige Bildfläche verwandelt.
Zentrales Element der Installation ist jedoch die Bewegung: Das Bild erschließt sich nicht von einem festen Standpunkt aus, sondern erst mit dem Durchqueren des Raumes. Mit jedem Schritt verändern sich die spiegelnden Fragmente, verschieben sich Perspektiven, verbinden sich und lösen sich wieder auf. Ohne technische Hilfsmittel entsteht ein dynamisches Bild, das allein durch die individuelle Bewegung im Raum generiert wird. Die Passant*innen werden zum Teil der Inszenierung, indem sich ihre Spiegelbilder mit Spuren der Umgebung, etwa vorhandenen Graffiti, verbinden und so eine subtile Hommage an Street Art geschaffen wird.
„Stadteingang im Fluss“ ist nicht nur eine räumliche Intervention, sondern eine Einladung zur bewussten Wahrnehmung: Ein Spiel aus Fragmentierung, Spiegelung und Bewegung, das den alltäglichen Verkehrsraum in ein lebendiges, sich stetig wandelndes Bild transformiert.
Standort
- Karlsruhe
Länge
- 60 m
Auftraggeber
- Stadt Karlsruhe Tiefbauamt
- Deutsche Bahn
Typ
- Landschaftsarchitektur
Status
- Realisiert 2026
ARGE
- Agence Ter .de
- Lorenz Richardt Architekten




